http://www.bundesabfallwirtschaftsplan.at

Lebensministerium.at

Servicelinks

Hauptnavigation

Suche



Inhalt

Sanierungszielstudie
Foto: BMLFUW

Klimarelevanz der Abfallwirtschaft

Die Ansprüche an eine nachhaltige Abfall- und Stoffwirtschaft gehen längst über die Normen einer klassischen Entsorgungswirtschaft hinaus und bedingen auch die Einbeziehung anderer Umweltmedien und Umweltfaktoren im Rahmen abfallwirtschaftlicher Strategien und Projekte.

 
Die österreichische Bundesregierung hat sich zum Ziel einer Reduktion der Treibhausgase (THG) im Rahmen der wissenschaftlichen Konferenz von Toronto 1988 sowie der politischen Konferenzen von Rio 1992 und Kyoto 1997 mehrfach bekannt. Wie bereits die Studie „Klimarelevanz der Abfallwirtschaft“ (Hackl, Mauschitz; Wien 1997) zeigt, ist die Abfallwirtschaft mit deren Behandlungsverfahren in einem nicht unerheblichen Ausmaß mitbetroffen.

Obwohl Österreich mit einem Anteil der Wasserkraft von rund 70% an der Stromerzeugung, sowie rund 13% Anteil der Biomasse an der Deckung des Primärenergiebedarfes eine leicht unter dem EU-Durchschnitt liegende CO2-Kopfquote von rund 8,1 t/a für 1998 aufweist, ist eine Reihe von Maßnahmen zu untersuchen und umzusetzen, um an die vorgegebenen Ziele heranzukommen.

Eine dieser Maßnahmen betrifft die Abfallwirtschaft und deren Behandlungstechniken. Die Abfallwirtschaft war der größte Verursacher von Methanemissionen in Österreich. Als Folge des stetigen Wachstums der Abfallmengen sind die Emissionen bis 1990 kontinuierlich auf 6,2 Mio t CO2-Äquivalent angestiegen. Seit 1991 weist der Sektor trotz weiter ansteigender Abfallmengen deutlich fallende Emissionen auf (1998 5,3 Mio t). Zurückzuführen ist diese positive Entwicklung in erster Linie auf die Wirkungen der Abfallwirtschaftsgesetze. Die Deponieverordnung ist wohl das bedeutendste Rechtsinstrument für weitere Maßnahmen zur Reduktion klimarelevanter Treibhausgase im Bereich der Abfallwirtschaft.
Da sowohl bei den biologischen als auch den thermischen Verfahren Treibhausgase gebildet und emittiert werden, stellt sich die Frage, welchen Beitrag die Abfallwirtschaft zur Emission der Treibhausgase Methan und Kohlendioxid in Österreich sowie der Entwicklung dieses Beitrages innerhalb der im Kyoto-Protokoll vorgegebenen Zeitspanne leisten kann. Um diese Entwicklung aufzuzeigen, wurden exemplarisch für den Abfallbereich „Restmüll“ Emissionsbilanzen für die Jahre 1990, 1996 und 2010 gerechnet (Studie „Klimarelevanz der Abfallwirtschaft I“Studie „Klimarelevanz der Abfallwirtschaft I“).

Die Bilanzen umfassen die Emissionen der durch Restmüllbehandlung vor Ort entstehenden Emissionen sowie die Emissionen, die, bedingt durch nicht genutzte Energieinhalte des Restmülls und seiner Fraktionen sowie des Deponiegases, aus fossilen Energieträgern in den Emittentengruppen Kraftwerke, Industrie und Hausbrand freigesetzt werden.

Der Vergleich der Bilanzen für 1990 und 2010 liefert Informationen darüber, in welcher Größenordnung die Abfallwirtschaft im Teilbereich Restmüll

  • die nationale THG-Bilanz dieser Jahre belastet,

  • ihre Treibhausgase in dieser Zeit verringern kann,

  • durch energetische Nutzung des Restmülls die Verbrennung fossiler Energieträger und die dadurch entstehenden Treibhausgasemissionen reduzieren kann,

  • eine Bestätigung für die Richtigkeit bereits getroffener legistischer Vorgaben auch in Hinblick auf den Klimaschutz sowie Entscheidungsgrundlagen für weitere Maßnahmen liefern kann.

Mit Hilfe dieser Informationen war es möglich, die zurückliegenden THG-Jahresbilanzen qualitativ und quantitativ zu verbessern sowie abgesicherte quantifizierende Ansätze für den Maßnahmenbereich Abfallwirtschaft in das nationale Programm zur Erfüllung des Kyoto-Protokolls aufnehmen zu können.
Für 1990 und 1996 konnte die abfallwirtschaftliche Situation dieser beiden Jahre zu Grunde gelegt werden. Für 2010 wurde ein Standardszenario zu Grunde gelegt, das die aus heutiger Sicht wahrscheinlichste Entwicklung bezüglich der Abfalldaten und der Daten für die Behandlungsverfahren darstellt. Zur Verdeutlichung des Einflusses von Behandlungsverfahren wurden in weiteren hypothetischen Szenarien jene Bilanzen gerechnet, die bei ausschließlicher Behandlung des Restmülls durch ein Verfahren, thermische Entsorgung von Restmüll (MVA) oder mechanisch-biologische Restmüllbehandlung (MBA), für 2010 resultieren (Studie "Klimarelevanz der Abfallwirtschaft II"Studie ; englische Fassungenglische Fassung ).


Die Bilanzen und ihr Vergleich zeigen:
  • 1990 betrug der Anteil der durch Restmüll bedingten Emissionen an der gesamtösterreichischen CO2- und CH4-Emission von 74,24 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent mit 2,03 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent rund 2,7 %.

  • Das bei weitem größte Treibhausgas-Reduktionspotential im Bereich Abfallwirtschaft hat die Verbrennung unbehandelter Abfälle bei maximaler Wärme- und Stromauskoppelung. Die Deponieverordnung wird eine weitere maßgebliche Reduktion sowohl von Methan-, als auch von CO2-Emissionen (infolge verstärkter Deponiegasfassung sowie verstärkter thermischer Behandlung von Abfällen und energetischer Nutzung) bewirken.

  • Im Jahresvergleich 2010/1990 werden die direkten Emissionen der Abfallwirtschaft im Bereich Restmüll im Standardszenario um rund 250.000 Tonnen CO2-Äquivalent, das sind rund 13,3 %, von 1,88 auf 1,63 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zurückgehen.

  • Die Gesamtemissionen aus der Restmüllbehandlung werden sich im Standardszenario von 1990 bis 2010 um 840.000 Tonnen CO2-Äquivalent von 2,03 auf 1,19 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, das sind rund 41,5 %, verringern.

  • Eine weitere Reduktion ließe sich erzielen, wenn das Restmüllaufkommen im Vergleich zum Standardszenario verringert und der Anteil der MVA-Behandlung gesteigert werden würde. Ein möglichst hoher Nutzungsgrad von Abwärme bei Abfallverbrennungsanlagen bringt eine stärkere Reduktion von fossilen Kohlendioxidemissionen aus der Bereitstellung von Ersatzenergie.

  • Für die von Österreich übernommene THG-Emissionsreduktion von 13 % bis zum Zielzeitraum des Kyoto-Protokolls ergibt sich, auf Basis des Jahres 1990 gerechnet, eine Reduktion um rund 10 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Da jedoch von einem weiteren Ansteigen der Emissionen bis zur Kyoto-Zielperiode auf etwa 82 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent ausgegangen werden muss, wird die Zielerreichung eine maßnahmengestützte Reduktion um etwa 15 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent erforderlich machen. Der Bereich Restmüll der Abfallwirtschaft kann hierzu einen beträchtlichen Reduktionsbeitrag liefern.
Da die Menge an brennbarem und energetisch verwertbarem Abfall in Österreich weit über jener des Restmülls liegt, ist das gesamte Potential für eine Reduktion der THG-Emissionen der Abfallwirtschaft jedenfalls größer als der in dieser Studie angegebene Betrag. Erhebliche Emissionsreduktionen von rund 1 Mio t CO2-Äquivalent sind insbesondere im Bereich des Industrie- und Gewerbemülls sowie bei Sperrmüll bis 2010 durch Erhöhung des thermischen Anteils und optimierte energetische Nutzung anzustreben (Brunner/Fehringer, Wien 1997).

12.06.2006, Lebensministerium VI/3