Mechanisch-biologische Behandlungsanlagen (MBA)
Eine mechanisch-biologische Behandlung zum Zweck der Deponierung ist eine verfahrenstechnische Kombination mechanischer und biologischer Prozesse zur Behandlung von Siedlungsabfällen und ähnlichen Gewerbeabfällen. Klärschlämme und weitere für eine mechanisch-biologische Behandlung entsprechend dem Stand der Technik geeignete Abfälle können gemeinsam mit diesen Abfällen mitbehandelt werden.
Die biologische Behandlung kontaminierter Böden auch nach vorheriger Siebung oder ähnlicher mechanischer Behandlung stellt keine mechanisch-biologische Behandlung dar.
Ziel der mechanischen Prozesse ist insbesondere die Separierung von für eine biologische Behandlung wenig geeigneten Stoffen, von Störstoffen und Schadstoffen oder einer Optimierung des biologischen Abbaus der verbleibenden Abfälle durch Erhöhung der Verfügbarkeit und Homogenität.
Ziel der biologischen Prozesse ist der Abbau organischer Substanzen (Ab- und Umbau biologisch abbaubarer Bestandteile) durch die Anwendung aerober oder anaerober mit nachfolgender aerober Verfahren; die mechanisch-biologische Behandlung hat zu einer deutlichen Reduzierung der biologisch abbaubaren Anteile, des Volumens, des Wassergehaltes, des Gasbildungspotenzials und der Atmungsaktivität der Abfälle und zu einer deutlichen Verbesserung des Auslaugverhaltens und des Setzungsverhaltens der Abfälle zu führen.
Neben der mechanisch-biologischen Behandlung zum Zweck der Deponierung existiert in Österreich auch eine mechanisch-biologische Behandlung vor einer thermischen Behandlung. Dabei wird der Abfallinput im Zuge der mechanischen Aufbereitung teilweise zerkleinert und homogenisiert und die mitunter lediglich von Sperr- und Störstoffen, Fe- und gegebenenfalls NE-Metallen befreiten Abfälle anschließend einer biologischen Behandlung (z.B. biologischen Trocknung oder Teilrotte) vorwiegend zur Reduktion des Feuchtegehaltes vor der thermischen Behandlung zugeführt. Im Gegensatz zur MBA vor der Deponierung erfolgt die gezielte Abtrennung von heizwertreichen Fraktionen lediglich optional und allfällige Anteile von zu deponierenden Reststoffen sind mengenmäßig gering.
Bundesweit stehen derzeit 16 Anlagen zur mechanisch-biologischen Abfallbehandlung von Siedlungsabfällen und anderen Abfällen mit einer genehmigten Gesamtkapazität von rund 873.000 Tonnen (inkl. anderer Behandlungslinien, z.B. Kompostierung) in Betrieb. Die genehmigte MBA-Kapazität beträgt abzüglich anderer Behandlungslinien rd. 771.000 Tonnen, wobei sich auf Grund der gewählten Betriebsweise bzw. der vorliegenden Ausbaustufe eine geringere verfügbare Kapazität von rd. 670.000 t ergibt.
Für das Jahr 2005 kann in den 16 Behandlungsanlagen von einem tatsächlichen MBA-Durchsatz von rd. 612.500 Tonnen ausgegangen werden. Insgesamt wurden in den 16 MBA-Anlagen im Jahr 2005 rd. 482.000 t Hausmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle (Restmüll), rd. 51.000 t Gewerbeabfälle, rd. 34.000 t Klärschlämme, rd. 33.000 t Sperrmüll und rd. 12.500 t sonstige Abfälle eingebracht. Die Auslastung in diesen Anlagen bezogen auf die genehmigte MBA-Kapazität von rd. 771.000 t betrug im Jahr 2005 rd. 79 %.
In Lavant (Tirol) befindet sich eine Anlage mit einer genehmigten Kapazität von rd. 17.000 Tonnen in Bau. Im Ahrental (Tirol) ist eine Anlage mit einer Kapazität von rd. 116.000 Tonnen im Genehmigungsverfahren. Für Ternberg (Oberösterreich) wurden Planungsverhandlungen für eine weitere MBA-Anlage mit rd. 35.000 Tonnen Kapazität durchgeführt. Dieses Projekt ist laut Auskunft der Projektwerber derzeit ruhend.
Tabelle: Mechanisch-biologische Vorbehandlungsanlagen
| Bundesland | Standort | Genehmigte Kapazität in Tonnen * | davon genehmigte MBA-Kapazität in Tonnen | MBA-Kapazität 2005 nach derzeitiger Betriebsweise oder Ausbaustufe in Tonnen |
| Burgenland | Oberpullendorf | 133.000 | 82.000 | 82.000 |
| Niederösterreich | Fischamend | 27.000 | 27.000 | 27.000 |
| | Neunkirchen | 28.500 | 28.500 | 28.500 |
| | St. Pölten | 94.700 | 88.000 | 42.000 |
| | Wiener Neustadt | 24.000 | 24.000 | 24.000 |
| Oberösterreich | Linz | 99.000 | 85.000 | 65.000 |
| | Ort im Innkreis | 15.000 | 15.000 | 15.000 |
| Salzburg | Siggerwiesen | 154.000 | 154.000 | 140.000 |
| | Zell am See | 46.600 | 40.000 | 40.000 |
| Steiermark | Aich-Assach | 15.250 | 15.250 | 15.250 |
| | Allerheiligen | 23.600 | 17.100 | 17.100 |
| | Frohnleiten | 76.250 | 76.250 | 65.000 |
| | Frojach-Katsch | 14.000 | 14.000 | 4.000 |
| | Halbenrain | 76.000 | 70.000 | 70.000 |
| | Liezen | 31.000 | 25.000 | 25.000 |
| Tirol | Kufstein | 15.500 | 9.500 | 9.500 |
| Summen gerundet | 873.400 | 770.600 | 669.350 | |
* ...die bescheidmäßige Anlagenkapazität kann höher sein als die MBA-Kapazität, da diese auch andere Behandlungslinien beinhalten kann (z.B. Kompostierung)
Abbildung: Mechanisch-biologische Behandlungsanlagen 2005
Der Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2006 befasst sich mit diesem Thema auch auf folgenden Seiten:
"Mechanisch-biologische Abfallbehandlung"
05.07.2006, Lebensministerium VI/3


